Alizé – Cirque du Soleil macht Berlin zur europäischen Residenz

Cirque du Soleil präsentiert Alizé in Berlin

Alizé – Cirque du Soleil macht Berlin zur europäischen Residenz

Cirque du Soleil will für längere Zeit in Berlin bleiben und hat dafür das Theater am Potsdamer Platz als festen Standort gewählt. Mit Alizé – französisch für Passatwind – zeigt der Zirkus dort jetzt eine Show, die den Traum vom Schweben scheinbar Realität werden lässt. Alizé ist aufwändig produziert und überwältigend.

Alizé – Cirque du Soleil macht Berlin zur europäischen Residenz
"Am Ende entsteht ein beschwingtes Gefühl von Leichtigkeit und schwebender Geborgenheit. Wer vom Lufthauch von Alizé beseelt wurde, will mehr davon." (Foto: Anne-Marie Forker - Cirque du Soleil)

Magie, Effekte und überwältigender Aufwand

Die jetzt gestartete Show Alizé des Cirque du Soleil besinnt sich auf den Ursprung des Zirkus: auf das Staunen. Alizé im Berliner Theater am Potsdamer Platz versetzt in Staunen mit akrobatischen Leistungen und vor allem mit dem Aufwand, den die Show betreibt.

So stehen bei den stehenden Ovationen nach der Premiere am 20. November rund 100 Menschen auf der Bühne – von den Artist:innen, über das Technikteam bis hin zur Geschäftsführung. Neben der Anzahl der Beteiligten überwältigt der Aufwand für Bühnengemälde, Bühnenbauten und technische Einbauten.

Und nicht zuletzt sind es besondere, staunenerregende Effekte, mit denen Alizé überrascht. Schränke und Artist:innen verschwinden und erscheinen schlagartig auf der Bühne; Dinge und Darsteller:innen schweben über sie.

Vom Wohnzimmer in die Traumwelt: Die Reise der Protagonistin

Wie bei allen Shows von Cirque du Soleil erzählt auch Alizé eine Geschichte. Die Erlebnisse der stillen Träumerin  Alizé bilden den Leitfaden der einzelnen Acts. Von einer Windböe erfasst wird Alizé aus ihrem beengten Wohnzimmer hinausgeweht in eine weite, aus Träumen erbaute Welt.

Alizé ist nicht nur ein weiblicher Vorname, sondern auch das französische Wort für Passatwind. Man darf dabei an einen warmen, leichten Wind denken, der nicht nur die Sporen der Pusteblume, sondern auch die Bewohner der Traumwelt spielerisch durch die Lüfte trägt.

Nicht zufällig lösen sich viele akrobatische Darbietungen vom Boden. Das Luftseil zieht die Artist:innen in die Höhe, am Trapez fliegen und schwingen sie über den Köpfen des Publikums hinweg und auf dem Hochseil wandeln sie hoch oben im Saal. Das Trampolin setzt der Schwerkraft die Kraft des Sprungtuchs entgegen. Am Ende entsteht ein beschwingtes Gefühl von Leichtigkeit und schwebender Geborgenheit. Wer vom Lufthauch von Alizé beseelt wurde, will mehr davon.

Alizé – Cirque du Soleil macht Berlin zur europäischen Residenz
"Offenbar ist es das Ziel, dass Alizé fünf Jahre lang zu sehen sein wird. Denn Daniel Lamarre, Präsident und CEO von Cirque du Soleil versprach nach der Premiere, dass er im Falle eines Erfolgs der Show in fünf Jahren auf Deutsch auf der Bühne sprechen werde." (Foto: Anne-Marie Forker - Cirque du Soleil)

Montreal in Berlin

Die Lust auf mehr zu wecken, ist eine Kunst, die in Montreal perfektioniert wurde. Man könnte sagen, wenn es in Alizé um Träume geht, dann geht es Cirque du Soleil um eine Show nach dem Muster eines Films aus einer Traumfabrik in Hollywood. Unübersehbar ist das Ziel, das Publikum zu überraschen.

Dazu wird wie in einem High-Budget-Film nicht an Effekten gespart. Musik, Ausstattung, Kostüme, schwebende Lichterteppiche und animierte Darstellerfiguren sorgen in Alizé für zwei Stunden dicht aufeinanderfolgende Momente der Verblüffung.

Berlin als neue europäische Residenz

Das Geschäft mit der Verblüffung hat Cirque du Soleil groß gemacht. 1984 wurde das Unternehmen im kanadischen Montreal als Straßentheater gegründet. Mittlerweile ist es ein weltweit tätiges Unternehmen mit Schwerpunkt in Las Vegas (USA).

Etwa 4000 Mitarbeiter:innen beschäftigt Cirque du Soleil. Las Vegas, die Stadt, in der sich alles um Unterhaltung dreht, ist eine der Hauptorte. Cirque du Soleil hat dort eine sogenannte Residenz, also eine feste Spielstätte. Das Management von Cirque du Soleil hat offenbar hohe Erwartungen an Alizé, denn Berlin soll zur europäischen Residenz werden.

Alizé – Cirque du Soleil macht Berlin zur europäischen Residenz
"Cirque du Soleil hat mit Alizé eine Show geschaffen, in der die Zuschauer:innen einen pusteblumenleichten Abend über den Traum vom Schweben erleben." (Foto: Anne-Marie Forker - Cirque du Soleil)

Ein neues Kapitel für das Theater am Potsdamer Platz

Die Residenz wird das Theater am Potsdamer Platz sein. Das Theater mit rund 1700 Sitzplätzen eröffnete 1999 als Musicaltheater. Das letzte Musical war das 2016 gezeigte „Hinterm Horizont“ (eine Hommage an Udo Lindenberg).

Anschließend mietete der Veranstalter Live Nation das Theater und wollte bereits 2020 eine angepasste Cirque du Soleil-Produktion in diesem Theater zeigen. Doch die Corona-Pandemie verhinderte diese Pläne. Nun startet mit Alizé eine eigens produzierte Show in Kooperation von Cirque du Soleil und Live Nation.

Offenbar ist es das Ziel, dass Alizé fünf Jahre lang zu sehen sein wird. Denn Daniel Lamarre, Präsident und CEO von Cirque du Soleil versprach nach der Premiere, dass er im Falle eines Erfolgs der Show in fünf Jahren auf Deutsch auf der Bühne sprechen werde.

Hohe Nachfrage trotz großem Angebot

Mit Alizé hat Berlin eine große Zirkusproduktion erhalten. Das wachsende Zirkusangebot scheint in Berlin dabei nicht zu viel Konkurrenz zu bewirken, denn im Ticketshop ist zu sehen, dass für Alizé im nächsten halben Jahr nur noch wenige freie Plätze vorhanden sind. Wer sich die Wartezeit bis zum Wunschtermin verkürzen möchte, kann in Berlin weiterhin die vielen kleinen und mittelgroßen Produktionen besuchen, die den Ruf Berlins als Stadt als Kulturmetropole begründet haben.

Andrei Schnell