Ein Mehrgänge-Menu des Zeitgenössischen Zirkus: Zeit für Zirkus 2025
Zeit für Zirkus Köln 2025
Ein Mehrgänge-Menu des Zeitgenössischen Zirkus: Zeit für Zirkus 2025
Ein Mehrgänge-Menu des Zeitgenössischen Zirkus: Das Festival Zeit für Zirkus eröffnet mit kurzen Einblicken in die Vielfalt künstlerischen Arbeiten aus Punk, Poesie und spielerischer Präzision
Swantje Kawecki
Eine Hügellandschaft am Rande eines Waldes – inmitten der Künstler Benjamin Richter im Anzug mit Schal, der im Wind weht. Wobei: Ein Schal? Doch wohl eher ein langes Papier. Er lässt das Papier durch die Luft gleiten bis die Person im Wind selbst ein Stück Papier wird; zerknittert und gekrümmt. Ein stetiges Verwandeln der Beziehung von Mensch und Objekt und ein fließendes Entstehen neuer Bilder. Und dann ist da noch der Ball.
Zeit für Zirkus eröffnet – in verschiedenen Städten Deutschlands findet das Festival zeitgleich statt. Die Kölner Edition des deutschlandweiten Festivals für Zeitgenössischen Zirkus eröffnet im Creation Centre Contemporary Cirus (CCCC). Warm und einladend leuchtet es durch die großen Fenster in den dunklen Nachthimmel und zieht das zahlreiche Publikum hinein. Über Monate hinweg sind lokale Künstler:innen des Zeitgenössischen Zirkus mit den Spielstätten der Stadt Köln ins Gespräch gegangenen, um ein abwechslungsreiches Programm anzubieten. Diese Vielfalt wird nun über drei Tage quer durch Köln verteilt erlebbar: im Kölner Künstler:innen Theater, dem Haus der Architektur, in der U-Bahnstation des Heumarktes, im Zelt des Latibul, im Kulturbunker Mühlheim und dem Schauspiel Köln.
Zurück ins CCCC: Labyrinthartig erstrecken sich die vier Bühnen der Halle hinter Trennwänden. Auf der einen Seite eine Bar, auf der anderen ein Chinesischer Mast neben behängten Kleiderstangen. Unzählige Meter schwarzer Seile erstrecken sich quer durch die Halle, laufen über Flaschenzüge, durch Karabiner und verbinden sich in Knoten an den Hallenwänden oder im Boden. Das Publikum sucht den Weg hinter die großen Planen zum ersten Ort des Geschehens. Dort angekommen darf es sich wie bei einem Mehrgänge-Menu durch acht kurze Ausschnitte der kommenden Festivaltage probieren, die es mit fragil und Kollektiv, Duo Fort Willy, Kollektiv UNANiM, Pamela Banchetti, Clara Köpf, Company Hippana.Maleta, Kompanie Benjamin Richter und uvm. zu erleben gibt.
Der Abend wird zu einem kulinarischen Erlebnis aus Fragmenten, Eindrücken und Stimmungen: Clownesker Punk. Ein Rennen gegen das Laufband. Elektronische Sounds. Videos aus U-Bahn Stationen. Fast Fashion Industrie. Kinder auf der Bühne und im Hintergrund. Ein DJ der spielt. Geschichten der alten Generation im Strickmuster. Als Appetizer: ein paar Worte des Organisationsteams, der RheinEnergie Stiftung und Vertreter:innen der Stadt. Seit etwa 1,5 Jahren wandelt sich die alte Industriehalle auf dem Gelände des Osthofs in einen Ort für die Künstler:innen des Zeitgenössischen Zirkus. Den Auftakt machen die Aerial Angels mit ihrem Stück Peter Pan. Anschließend wird das Publikum durch die Räume im Raum geführt. Denn mehrere Bühnen und Studios bilden die Aufführungsorte und Ausstellungsräume der lokalen Künstler:innen
Es läuft und läuft und läuft. Das Laufband in stetiger Bewegung, während es Jonas Schiffauer und Alex Allison von Company Hippana.Maleta auf dem Schoß sitzt. Die elektronischen Sounds geben den Takt an. Dieses Mal werden weiße und rote Bälle im Zentrum des Geschehens und finden ihren Weg auf das Laufband. Bloß nicht am Ende runterfallen – Das ist das Spiel, dem sich die Performenden annehmen. Während das Laufband den Ton angibt, bewegen Händen die Bälle immer wieder an den Anfang des Laufbands; bloß weg vom Abgrund. Mal rollen sie zurück an den Anfang, dann werden sie einzeln neu platziert, im Rhythmus der Musik, synchron, überkreuz und parallel, flach liegend und aufeinandergetürmt. Aus einem fast leicht anmutenden Spiel wird ein fatales Rennen gegen die Zeit.
Wieder ein Ortswechsel hin zur Kleiderstange – Aus einem blauen Samtvorhang, taucht Clara Köpf durch den Vorhang auf und verwandelt ihn zu ihrem Kleid. Mit einem leicht gezwungenen Lächeln posiert sie puppenartig vor uns. Sie läuft ein Stück über die Bühne, hält wieder, bringt ihre Arme in neue Posen, ein kurzes Schwanken, der Kopf dreht sich zum Publikum, das Lächeln wird verzerrt. Der Showroom wechselt vom Boden hinauf an den chinesischen Mast. Der lange fließende Stoff umspielt den Mast bei jeder Bewegung der Performerin. Ein Echo im Material.
Von Kinderstücken, über Nachwuchsartist:innen bis hin zu erfahrenen Künstler:innen: Generationsübergreifend zeigt sich die Kölner Zirkusszene in all ihren Farben und macht Lust auf mehr.
Swantje Kawecki
*Dieser Beitrag ist Teil der Berichterstattung zu ZEIT FÜR ZIRKUS – ZEIT ZUM REDEN, organisiert vom Bundesverband Zeitgenössischer Zirkus e.V. und gefördert vom Fonds Darstellende Künste und dem Kulturamt der Stadt Köln.