Katalonien trifft Deutschland: eine Zirkusszene macht sich sichtbar
Katalonien trifft Deutschland: eine Zirkusszene macht sich sichtbar
Katalonien gehört seit Jahrzehnten zu den produktivsten Zirkuszentren Europas – in Deutschland ist das bisher kaum angekommen. Das soll sich ändern: Mit dem Programm MERIDIAN(s) schickt der katalanische Zirkusverband APCC Kompanien auf Deutschlandtour, öffnet Residenzen, Forschungslabore und Fachbegegnungen. ZirkusPlus begleitet das Projekt als Partner und wird in den kommenden Monaten ausführlich darüber berichten.
Ein Meridian ist eine gedachte Linie, die Süden und Norden verbindet. Genau diesen Gedanken macht sich der katalanische Zirkusberufsverband APCC zum Programm: Unter dem Titel MERIDIAN(s) – Katalonien/Deutschland 2026 entfaltet er ein weitverzweigtes Austauschprogramm, dessen zentrales Ziel es ist, den zeitgenössischen Zirkus aus Katalonien in Deutschland sichtbar zu machen – einer Szene, die in Barcelona seit Jahrzehnten wächst.
Kompanien aus Katalonien reisen nach Berlin, Karlsruhe, Köln, Detmold, Rastatt und Görlitz – nicht nur um aufzutreten, sondern um zu residieren, zu forschen und Netzwerke zu knüpfen. Das Spektrum der Arbeiten ist weit: anarchische Clownerie, bei der Los Galindos drei Clowns in eine absurde Spirale aus Verbrechen und Gerechtigkeit schicken; körperlich präzise Akrobatik, bei der Compañía de Circo eia die Unaufhaltsamkeit der Zeit als physisch erfahrbaren Prozess befragt; Straßenshows wie die explosive Wooooow! von La Churry, die dazu einlädt, Routinen und Ängste zu durchbrechen. Joan Català erschafft gemeinsam mit Passantinnen und Passanten Klanginstallationen im öffentlichen Raum, Ángel Duran hinterfragt auf dem Trapez Vorstellungen zeitgenössischer Männlichkeit.
Neben den Auftritten sind Residenzen, Fachbegegnungen und ein Forschungslabor Bestandteil des Programms. Das Come Closer Lab in Köln versammelt zehn Künstlerinnen und Künstler aus Katalonien und dem Rheinland, um gemeinsam zu erforschen, wie aus einer Aufführung ein echter Raum der Zusammenarbeit mit dem Publikum entstehen kann – wie Partizipation entsteht, wie Applaus zu einem gemeinsamen Erlebnis werden kann. Fachleute aus Katalonien besuchen außerdem deutsche Festivals, um die hiesige Zirkuslandschaft aus der Nähe kennenzulernen.
MERIDIAN(s) ist Teil des katalanischen Zirkusförderungsplans 2023–2026 und bewusst als Initialzündung gedacht. Die APCC formuliert es klar: Die initiierten Begegnungen sollen über 2026 hinauswirken und neue Impulse für die Zusammenarbeit entstehen lassen – zwischen Szenen, Institutionen und Menschen, die den zeitgenössischen Zirkus in Europa gemeinsam weiterentwickeln wollen.
ZirkusPlus ist Projektpartner von MERIDIAN(s) und begleitet das Programm von deutscher Seite. Als Onlinemagazin für den zeitgenössischen Zirkus im deutschsprachigen Raum wird ZirkusPlus in den kommenden Monaten ausführlich über das Projekt berichten – mit Portraits der beteiligten Kompanien, Einblicken in die katalanische Szene und Berichten aus den Begegnungen vor Ort. Es lohnt sich also, regelmäßig vorbeizuschauen.
ZirkusPlus Onlineredaktion
Dieser Beitrag entsteht in Kooperation mit dem internationalen Projekt MERIDIAN(s).

MERIDIAN(s) ist ein Austauschprogramm, das Begegnungen und Zusammenarbeit zwischen Zirkuskünstler:innen, Festivals, Spielorten und Kulturschaffenden aus Katalonien und Deutschland fördert. Das Programm wird vom katalanischen Verband der Zirkussschaffenden APCC koordiniert und ist Teil des Internationalisierungsprogramms im Rahmen des Katalanischen Zirkusförderplans 2023–2026. ZirkusPlus ist Kooperationspartner von MERIDIAN(s).