Zirkus im Hangar: Das at.tension Festival geht in die elfte Runde
at.tension Festival 2026
Zirkus im Hangar: Das at.tension Festival geht in die elfte Runde
Vom 3. bis 6. September verwandelt der Kulturkosmos Müritz e.V. sein Gelände in Lärz zum elften Mal in ein Theaterfestival. Zeitgenössischer Zirkus bildet dabei traditionell das Rückgrat des Programms. Neu ist in diesem Jahr eine Außenspielstätte in Mirow, und damit ein neuer Zugang für Tagesbesucher:innen zu einem Festival, das seit Monaten ausverkauft ist.
Wer die at.tension zum ersten Mal betritt, versteht schnell, warum das Festival unter Zirkusschaffenden einen eigenen Ruf hat: Bühne ist hier fast alles. Das etwa 100 Hektar große Gelände des Kulturkosmos in Lärz – ein ehemaliger Militärflugplatz in Mecklenburg-Vorpommern – bringt Spielstätten mit, die kein Stadttheater bieten kann. Flugzeughangars, eine alte Landebahn, mehrere Zirkuszelte sowie Park- und Freiflächen bilden die Kulisse für vier Tage Zirkus, Straßentheater, Figurentheater, Tanz und Performance, ergänzt um Lesungen, Diskussionen, Kino, Workshops und ein eigenes Musikprogramm.
Vom Nebenprojekt zum Fixpunkt: die Entstehung
Das at.tension Festival ist eine Gründung aus dem Umfeld der Fusion. Getragen wird es vom Kulturkosmos Müritz e.V., der auf demselben Gelände das deutlich größere Musikfestival veranstaltet. Anders als die Fusion setzt die at.tension jedoch von Beginn an auf die darstellenden Künste.
Die erste Ausgabe fand 2006 statt, ein Jahr später folgte die zweite. Seitdem läuft das Festival im Zweijahresrhythmus. Kuratiert, organisiert und realisiert wird das Festival von Akteur:innen des Vereins und dessen Unterstützer:innen-Netzwerk.
Welche Dimension die Veranstaltung inzwischen erreicht hat, zeigt der Blick auf 2024: Zur zehnten Ausgabe kamen nach Angaben des Kulturkosmos rund 10.000 Besucher:innen, über 60 Theaterproduktionen und mehr als 700 internationale Künstler:innen standen im Programm, etwa 1.500 Ehrenamtliche hielten den Betrieb am Laufen. „Getragen wird das Festival von der ehrenamtlichen Arbeit zahlreicher Crews, von über 20 Vereinen und Kollektiven aus der Region.“
Finanziert wird die at.tension überwiegend vom Verein selbst; lediglich einzelne Gastspiele erhalten Zuschüsse. Für die Ausgabe 2026 erwarten die Veranstalter:innen rund 8.000 Gäste und 2.000 Kinder sowie mehr als 2.000 Mitwirkende.
"Auffällig ist die katalanische Präsenz: Gleich mehrere Produktionen entstehen in Zusammenarbeit mit dem katalanischen Zirkusverband APCC und dem Institut Ramon Llull."
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Zirkus in der Breite
Für Zirkusinteressierte ist das Programm der at.tension #11 vor allem eines: dicht. Zwischen Vouchershows, Indoor- und Outdoorspielstätten stehen Dutzende Produktionen, ein großer Teil davon aus dem zeitgenössischen Zirkus.
Zu den fünfzehn Vouchershows, für die sich Festivalgäste vorab zwei Plätze sichern können, zählen unter anderem Los Galindos mit der Clownerie „MDR – Death from Laughter“, Kolja Huneck & Luuk Brantjes mit „SYMBIOSIS“ oder Overhead Project mit „My Body Is Your Body“.
Im offenen Programm finden sich unter vielen anderen Cie. Sacékripa („Surcouf“), Circus Katoen („Grasshoppers“) und Post uit Hessdalen („BALLROOM“).
Auffällig ist die katalanische Präsenz: Gleich mehrere Produktionen – darunter „Conhort“ von Hotel iocandi, „Solo“ von Cia. Roi Borrallas und „Symphonic Flock“ von Moon Ribas, Quim Girón & Animal Religion – entstehen in Zusammenarbeit mit dem katalanischen Zirkusverband APCC und dem Institut Ramon Llull. Nach dem „Fokus Katalonien“ beim Berlin Circus Festival im August zieht sich diese Verbindung damit durch die deutsche Festivalsaison.
"Die at.tension #11 fällt in den Monat der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt (06.09.) und Mecklenburg-Vorpommern (20.09.) und das Festival macht daraus keinen Hehl."
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Erstmals Zirkus für Tagesgäste in Mirow
Die größte organisatorische Neuerung liegt außerhalb des Geländes. Auf der Schlosswiese am Unteren Schloss in Mirow betreibt das Festival gemeinsam mit der Stadt erstmals eine Außenspielstätte. Von Dienstag, 1. September, bis Samstag, 5. September, spielt dort die international besetzte Kompanie My!Laika ihr Zirkuskabarett „La Soirée“, in einem eigens errichteten Zelt.
Wichtig für die Planung: Die Mirower Vorstellungen laufen mit eigenen Tickets, erhältlich bei den Tourist-Informationen der Region und online über die Festivalseite. Sie berechtigen nicht zum Zutritt in Lärz. Umgekehrt können Festivalgäste die Show als Vouchershow buchen, inklusive Bustransfer.
Haltung als Programmpunkt
Die at.tension #11 fällt in den Monat der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt (06.09.) und Mecklenburg-Vorpommern (20.09.) und das Festival macht daraus keinen Hehl. Als Initiator:innen des Bündnisses „Alle zusammen“ positionieren sich die Veranstalter:innen gegen rassistische und völkische Narrative; Suse von Essen vom Kulturkosmos Müritz e.V. verweist auf Demokratieabbau und gekürzte Fördermittel im Kultur- und Sozialbereich. Politische Bildung solle dabei ohne erhobenen Zeigefinger stattfinden.
Im Programm schlägt sich das konkret nieder – etwa im LÄRZATHLON, einem Spendenlauf zugunsten des Netzwerks Polylux, bei dem der Kulturkosmos jede Spende verdoppelt, oder im Theaterabend „BD$M“ des Parasites Ensemble, das sich mit den Diskursstrategien der AfD auseinandersetzt.
Kurzfazit: Die at.tension bleibt das, was sie seit 2006 geworden ist: Ein Festival, das zeitgenössischen Zirkus nicht als Sparte, sondern als Selbstverständlichkeit behandelt. Der Schritt nach Mirow öffnet dieses Erlebnis erstmals auch denen, die kein Wochenendticket ergattert haben. Dass dieses Miteinander diesmal in den Monat der Landtagswahlen fällt, nehmen die Veranstalter:innen ausdrücklich zum Anlass, Haltung zu zeigen.
ZirkusPlus Redaktion
Dieser Beitrag entsteht in Kooperation mit dem internationalen Projekt MERIDIAN(s).

MERIDIAN(s) ist ein Austauschprogramm, das Begegnungen und Zusammenarbeit zwischen Zirkuskünstler:innen, Festivals, Spielorten und Kulturschaffenden aus Katalonien und Deutschland fördert. Das Programm wird im Rahmen des Katalanischen Zirkusförderplans (2023 – 2026) vom katalanischen Verband der Zirkussschaffenden APCC koordiniert und vom Institut Ramon Llull (IRL) sowie dem Katalanischen Institut für Kulturunternehmen (Institut Català de les Empreses Culturals, ICEC) des katalanischen Kulturministeriums unterstützt. Weitere Informationen zum Projekt gibt es hier. ZirkusPlus ist Kooperationspartner von MERIDIAN(s).