Zirkuswiki
Inklusion im Zirkus
Die Praxis, Menschen unabhängig von ihren körperlichen, kognitiven oder sozialen
Voraussetzungen die Teilnahme am Zirkus zu ermöglichen, auf der Bühne wie im
Publikum.
Inklusion im Zirkus bezeichnet die Praxis, bei der Menschen unabhängig von ihren
körperlichen, kognitiven oder sozialen Voraussetzungen aktiv an Darbietungen,
Produktionen und dem Gemeinschaftsleben eines Zirkus teilnehmen können. Ziel ist
eine Umgebung, die Vielfalt wertschätzt und Barrieren abbaut. Gemeint sind dabei
beide Seiten der Manege: die Mitwirkenden ebenso wie das Publikum.
Der Zirkus bringt für dieses Ziel günstige Voraussetzungen mit. Weil er viele sehr
verschiedene Disziplinen vereint, von der Jonglage über die Luftartistik bis zur
Clownerie, findet fast jede Person einen Bereich, der zu ihren Stärken passt. Hinzu
kommt, dass eine Zirkusnummer ohnehin auf Zusammenspiel angewiesen ist: Wer
sichert, wer wirft, wer fängt, das lässt sich nur gemeinsam lösen. Viele inklusive
Projekte arbeiten deshalb bewusst ohne Leistungsdruck und richten sich danach, wo
jemand Unterstützung braucht und wo eigene Stärken liegen.
In der Praxis zeigt sich Inklusion auf mehreren Ebenen. Auf der Seite der
Mitwirkenden reicht sie von gemeinsamen Trainingsgruppen über eigens entwickelte
Vermittlungsmethoden bis dahin, dass Menschen mit Behinderung selbst als
Trainer:innen und Coaches arbeiten. Der Berliner Circus Sonnenstich etwa
entwickelte für seine überwiegend mit Trisomie 21 lebenden Artist:innen eine eigene
inklusive Didaktik und bildet mit ihnen zugleich Zirkuspädagog:innen weiter. Auf der
Seite des Publikums geht es um barrierefreie Zugänge zu den Veranstaltungsorten
und um Vorstellungen, die auf sensorische Empfindlichkeiten Rücksicht nehmen,
etwa mit gedämpftem Licht und reduzierter Lautstärke. Nicht zu vergessen sind
praktische Fragen des Alltags, gerade bei Zirkusprojekten mit Zeltlagern, wo
barrierefreie Sanitäranlagen und befahrbare Wege über die Teilnahme entscheiden.
Gefördert wird diese Arbeit in Deutschland unter anderem über das Programm
„Zirkus gestaltet Vielfalt“ der Bundesarbeitsgemeinschaft Zirkuspädagogik, die seit
2018 Bundesmittel an lokale Zirkusprojekte weiterleitet. Zur Zielgruppe zählen
ausdrücklich auch Kinder und Jugendliche mit Behinderung sowie mit
Fluchterfahrung. Daneben gibt es zahlreiche freie Träger, die inklusiv arbeiten;
manche Kinder- und Jugendzirkusse tun dies bereits seit den späten 1980er-Jahren.
Trotz dieser Entwicklung stehen inklusive Zirkusprojekte vor Herausforderungen.
Dazu zählen finanzielle und bauliche Hürden, der Bedarf an entsprechend
qualifiziertem Personal sowie Vorurteile und Stereotype, die abgebaut werden
müssen. Als Leitgedanke gilt vielen Projekten das Prinzip der Selbstvertretung, oft
auf die Formel gebracht: nicht über uns, sondern mit uns. Gelingende Inklusion im
Zirkus versteht sich damit nicht als Erfüllung gesetzlicher Vorgaben, sondern als Teil
des eigenen Selbstverständnisses.
Häufige Fragen
Was bedeutet Inklusion im Zirkus?
Inklusion im Zirkus bedeutet, dass Menschen unabhängig von körperlichen,
kognitiven oder sozialen Voraussetzungen am Zirkus teilnehmen können, als
Mitwirkende wie als Publikum.
Wie wird Inklusion im Zirkus konkret umgesetzt?
Durch gemeinsame Trainingsgruppen, angepasste Vermittlungsmethoden,
Trainer:innen mit Behinderung, barrierefreie Veranstaltungsorte und Vorstellungen
mit gedämpftem Licht und reduzierter Lautstärke.
Warum eignet sich der Zirkus besonders für Inklusion?
Weil er viele verschiedene Disziplinen vereint, in denen jede Person eigene Stärken
finden kann, und weil Zirkusnummern ohnehin auf Zusammenspiel und gegenseitige
Sicherung angewiesen sind.
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